BERATUNG & TRAINING
Veliki Toran in der Franska Draga
Orange Illustration zweier Amseln als Logo für Dr. Thomas Vogl Beratung & Training
  • © 2026 Thomas Vogl Kontakt 0

Neuigkeiten

DIE TECHNIK DES MYTHOS - FASCHISMUS ALS SOZIALTECHNOLOGIE (1/6)

Beitrag auf LinkedIn

Ernst Cassirer hat 1945 das Buch „Der Mythus des Staates“ veröffentlicht. Darin versucht er zu verstehen, wie das Grauen des Faschismus möglich war. Seine Analyse ist heute mehr als lesenswert:
- Cassirer beschreibt, wie die Faschisten eine neue Sozialtechnologie nutzen. Sie lockern die „früheren sozialen Bindungen - Gesetz, Gerechtigkeit, Verfassungen […]. Was allein zurückbleibt, ist die mystische Macht und Autorität des Führers […].“ D. h. Der Faschismus erzeugt eine Mythologie, die die rationalen Grundlagen des politischen Lebens zielstrebig zerstört.
- Dazu greift er auf Mythen wie die Rassenlehre zurück, die jeder politischen Legitimität entbehren. „Die neuen politischen Mythen wachsen nicht frei auf. […] Sie sind künstliche Dinge, von sehr geschickten und schlauen Handwerkern erzeugt. […] Künftig können Mythen im selben Sinne und nach denselben Methoden erzeugt werden, wie jede andere moderne Waffe.“ Z. B. der Führerkult ist so eine Waffe.
- Zur Technik des Mythos gehört es, die Sprache magisch zu gebrauchen und ihrer logischen und semantischen Funktion zu berauben. Es geht nicht mehr um die Bedeutung des Gesagten, sondern um die emotionale Bindung, die es erzeugt. Du kannst lügen, wenn die Lüge die passende Emotion weckt: passend zum gewählten Mythos, z. B. von den ›gefährlichen‹ Asylsuchenden im Land. Dazu kommt die mythische Wirkmacht, die die Sprache jeder überprüfbaren Realität beraubt: Der Krieg gegen den Iran ist in wenigen Stunden gewonnen, so wie das deutsche Reich tausend Jahre währt.
- Die Technik des Mythos vereinfacht das Leben: Menschen verlieren ihre Freiheit, wenn sie dem Führer folgen, aber sie werden dabei auch ihre quälende Verantwortung los. Was kümmert mich der Klimawandel, die Ungerechtigkeit in der Welt und die Grausamkeit der Kriege, wenn es den Führer nicht kümmert?
- Cassirer hofft auf „höhere Kräfte“, die den mythischen Unterbau des sozialen Lebens in Schach halten. „Solange diese Kräfte, intellektuelle und moralische, ethische und künstlerische, in voller Stärke stehen, bleibt der Mythus gezähmt und unterworfen. Aber wenn sie einmal ihre Stärke zu verlieren beginnen, ist das Chaos wiedergekommen.“

Cassirer wusste nichts von Internet und Social Media. Wie in den neuen Medien Mythen handwerklich erzeugt werden, kann man an der Manosphere studieren. Es gibt da alle Mythologien des Faschismus, die offen menschenfeindlich sind: besonders Rassismus, Klassismus, Ableismus und Sexismus werden laufend erneuert.

Was Cassirer bereits kannte, ist unsere unauflösliche Verstricktheit in mythisches Denken und Fühlen. Menschen sind und bleiben Teil des Problems und es kostet uns Kraft, uns rational aus dem mythischen Sumpf zu stemmen. Als Mann bin ich handelndes Subjekt der sexistischen Mythen, in denen wir leben. Warum es sich lohnt, diesen mythischen Mist infrage zu stellen, werde ich hier unter dem Titel „MÄNNLICHKEIT - EIN MYTHOS AM ENDE“ weiter diskutieren.



Meine Website verwendet keine Tracking Cookies, kein Google Analytics und keine vergleichbaren Dienste. Ich erhalte durch Ihren Besuch keinerlei personenbezogene Daten.