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MÄNNLICHKEIT - WAS MÄNNER ALLES MÜSSEN (3/6)

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Mal unter uns gesagt, Jungs: wie ist das, wenn einer seiner Kollegin auf den Hintern starrt? Ihr einen Klaps gibt? Ihren Körper ungefragt kommentiert? Peinlich und übergriffig ist das. ABER: (und da würden sogar manche Feministinnen beipflichten) so sind wir Männer eben. Testosteron. Kann man nichts machen…

Privat und in meiner Praxis als Berater höre ich immer wieder von Fällen sexualisierter Gewalt. Eine Klientin besucht eine Betriebsfeier, trinkt mit und wird auf dem Heimweg von einem Mann vergewaltigt. „Wie unvorsichtig. Man weiß doch, wie Männer sich verhalten, wenn sie getrunken haben“. Ja, das ist bekannt. Und der Kommentar führt vollkommen in die Irre. Er macht aus dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung eine Selbstschutzaufgabe für Frauen unter Tieren.

Hinter all dieser Entschuldigungsrhetorik steht ein verbreiteter Mythos von Männlichkeit. Ein Mann wird darin einem Dampfkessel verglichen, der unablässig von der Flamme seines Sexualtriebs beheizt wird. Wenn er nicht oft genug „Druck ablässt“, kocht er eben über, egal wer grade vor ihm steht. Wer nicht bei drei auf dem Baum ist, war zu langsam. Darin soll der Mann so selbstbestimmt sein, wie der Kolben einer Dampflok. A man´s gotta do, what a man´s gotta do.

Dieser Mythos ist eine unerträglich entwürdigende Sicht auf männlich gelesene Menschen. Alle, die einen Penis haben, sollten auf diesem Männlichkeitsschiff sofort meutern. Hört gut zu, Incels: Männer schaffen es ganz ohne Amoklauf, jahrelang keinen Sex zu haben.

Der Mythos von der männlichen Sexabhängigkeit ist ein Ablenkungsmanöver.
- Er lenkt davon ab, dass Männer (muss ich das betonen?) ihr Sozialverhalten zurechnungsfähig selbst entscheiden und dafür auch verantwortlich zu machen sind.
- Er lenkt davon ab, dass Frauen ebenso sexuelles Begehren kennen. Und es gelingt ihnen ganz überwiegend, es zu befriedigen, ohne anderen Menschen dabei Gewalt anzutun.
- Der Mythos lenkt außerdem davon ab, dass Frauen Männern keinen Sex schulden (auch kein Geld, keine Care-Arbeit, keine Bewunderung, keine seelische Unterstützung).
- Und er lenkt davon ab, wessen Macht durch den Mythos geschützt wird. Spoiler alert: die der Patriarchen.

Was heißt das am Arbeitsplatz?

Der ideale Mitarbeiter ist anspruchsvoll, konkurrierend und leistungswillig ohne Ende. Er will und kann immer. „Dienst nach Vorschrift“, „vertraglich vereinbarte Leistungspflichten“, „Das Glück der Faulheit“ stellen seine Identität in Frage. Druckkessel-Männlichkeit ist der feuchte Traum des Kapitals. Und für Männer der sicherste Weg in Burnout und Depression.

Noch ein Wort dazu, wie das mythische Denken funktioniert und triumphiert: Bilde eine Gruppe („Männer“). Verknüpfe sie mit normativen Kategorien - „notgeil“ (3/6), „anspruchsberechtigt“ (4/6), „immer leistungswillig“ (5/6). Sanktioniere Abweichungen als Outgroup, z. B. als „schwul“. Denke nicht darüber nach, wem so ein Mythos dient (reichen weißen Vätern, Söhnen, Männern, 6/6).

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