Beitrag auf LinkedInMÄNNLICHKEIT - EIN MYTHOS VON ANSPRÜCHEN UND BESITZ
Auf den ersten Blick ist es ein Leben voller Vorzüge, das Männer erwartet. Ihnen wachsen dominante Positionen zu, sie gelten als Norm, an der sich andere messen lassen müssen. Ein Mann zu sein, bedeutet, mächtig zu sein und Karrierevorteile zu genießen. „Männlichkeit ist, als soziales Konstrukt, scheinbar unauflöslich mit Macht konnotiert. Die symbolische Verknüpfung von Männlichkeit und Macht gilt für die heterosoziale wie für die homosoziale Dimension der Gesellschaftsverhältnisse.“ (Michael Meuser, Geschlecht, Macht, Männlichkeit, in: EWE (Anm. 2), S. 325–336, hier: S. 327)
Der Mythos, dass Männer im Grunde Frauen überlegen sind, ist als patriarchale Dividende beschrieben worden. Als eine in der Gesellschaft breit verankerte Grundüberzeugung, auf die sich (nicht nur) Männer zurückziehen können, wenn es ihnen an ihre Privilegien geht. Die Besitzansprüche im Zielbild der Männlichkeit sind umfassend: dazu gehören Ansprüche auf Anerkennung, Dominanz sowie den seelischen Beistand und den Körper von Frauen. Wer glaubt, dass ihm all das selbstverständlich zusteht, hat sich für ein Leben voller Kränkungen entschieden. Weil nichts davon legitim gefordert werden kann.
Während weibliche Führungskräfte in meiner Praxis eher dazu neigen, ihre Eignung und Kompetenz selbstkritisch zu hinterfragen, zweifeln die Männer vergleichsweise selten daran, für ihre Leitungsposition der Richtige zu sein. Gehalt, Status, Entscheidungsmacht, Personalverantwortung, Dienstwagen etc. - alles steht ihnen fraglos zu. Der berufliche Erfolg ist einfach die Bestätigung ihrer Selbstbeschreibung. So bin ich eben. Ein echter Mann. Es ist eigentlich kein Erfolgsrezept für Unternehmen, wenn die ego-orientierten Ansprüche der Führungskräfte von Anfang an ihre wichtigste Motivation darstellen. Aber man staune:
Die Männerforschung beschreibt die männliche Identität als den Kit, der in der globalisierten Wirtschaft transnationale Kooperationen trotz harscher Konkurrenz stabilisiert. Es hat sich ein „Genderregime“ entwickelt, das Männern im Management die Kooperation unter Bros weltweit erlaubt. Sozial schlechter gestellte Männer sind von der Party ausgeschlossen. Sie profitieren deutlich weniger von den patriarchalen Strukturen. Sie sind ihnen ausgesetzt. Mächtigere verfügen über sie als Arbeitskraft. Die Ohnmächtigen kompensieren ihre Gefühle, abgehängt und ausgenutzt zu sein, wiederum mit den Möglichkeiten „männlicher“ Verhaltensnormen. Sie führen sich diskriminierten Gruppen gegenüber dominant auf und kassieren ihre patriarchale Dividende. Viele Männer geben tatsächlich lieber ihr Leben auf, als ihre „Männlichkeit“ zu riskieren, und zu sagen, „ich kann nicht mehr“, „in dem abgekarteten Scheißspiel kann ich nicht gewinnen.“ Lasst uns die Regeln ändern.
Tags: DEIB, Demokratie, Feminismus