Beitrag auf LinkedInIch habe behauptet: Männlichkeit erkennt man an Gewalt, Besitzansprüchen, Leistungsglauben und hohen Suizidraten. Außerdem habe ich Ideen „echter Männlichkeit“ als gesellschaftlich normales mythisches Denken bezeichnet. Jemand muss diesen Unsinn wollen. Wer profitiert vom Mythos „Männlichkeit“?
Die Väter. Aber natürlich lange nicht alle. Tatsächlich ganz, ganz wenige. Vor allem weiße. Extrem gut situierte.
Der antideutsche, linke Denker Herrmann Gremliza hat sich einmal amüsiert über Freunde, die ihre ersten Millionen verdient hatten und jetzt dachten, er müsse sie für Kapitalisten halten. Nein. Tat er nicht. Auch nicht jeder Arsch, der Frauen schlecht behandelt, ist ein Patriarch. Nur die sehr sehr Reichen sind das. Der durchschnittliche misogyne Sexist ist ein Handlanger des Patriarchats. Er rafft nicht, dass er häßlicher Ausdruck einer mythischen Struktur ist, die ihn selbst fertig macht, während er Frauen fertig macht. Möge er erwachen.
Einen Patriarchen erkennt man daran, dass er über dem Gesetz steht. Er lässt Gesetze verabschieden. Der misogyne Verbrecher, der leider US-Präsident ist, brüstet sich damit, er könnte jemand auf der Fifth Avenue erschießen und damit davonkommen. Er brüstet sich damit, ein Patriarch zu sein, für den das Gesetz nicht gilt. Seine gesellschaftliche Position ist so privilegiert, er gewinnt immer. Denkt er. Dachte Epstein auch.
Einen Patriarchen erkennt man daran, dass er seine Söhne promotet. Aus Kim Il-sung wird Kim Jong-il wird Kim Jong-un. Es muss nicht unbedingt so dynastisch zugehen. Aber es gehört zur Struktur, dass ein Mann die patriarchale Macht erbt. Auf der Forbes-Liste der Superreichen finden sich aktuell 3.428 Menschen, die mehrere Milliarden besitzen. Nur jeder 10. Platz gehört einer Frau. Unter den reichsten 30 Menschen ist es genau e i n e. Patriarchen teilen sich die Welt auf. Die Unterscheidung von „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ ist das Kernkonzept dieser menschenverachtenden Mythologie der Reichen.
Mein Thema sind mythologische Ideen von „Männlichkeit“. Aber es ist leicht zu sehen, dass dieses Phantasma des Patriarchats mit weiteren Mythologien verflochten ist, die Menschen rassistisch, klassistisch oder ableistisch diskriminieren. Zusammen „legitimieren“ diese Mythen die wenigen patriarchalen Profiteure des Kapitalismus.
Für forcierte Männlichkeit bezahlen alle. Zuerst diskriminierte Gruppen unserer Gesellschaft, aber auch Männer: mit Einsamkeit, Hilflosigkeit, Wut und auch dieser abstoßenden Dauergekränktheit, an der man „echte Männer“ zur Zeit am sichersten erkennt. Ich sag´s, wie es ist: „Männlichkeit“ im Patriarchat ist ein Privilegierten-Knast, im dem diskriminierte Menschen gequält werden, FLINTA*, aber auch BIPoQ, Arme, Be_hinderte … Dabei haben wir eine gemeinsame Aufgabe: diesen Planeten für alle Menschen zu einer lebenswerten Heimat zu machen. Für alle. Darunter ist Menschenwürde nicht zu haben.
Tags: Feminismus, DEIB, Demokratie